„Sei froh, dass du deine eigene Welt hast“

Manchmal vergesse ich, wieso ich einen Blog über die Georg-Schwarz-Straße schreibe. „Macht das alles Sinn?“, frage ich mich dann. So geht es mir meist, wenn ich länger nicht mehr dort gewesen bin.

Es ist ein garstiger, verregneter Tag im Januar. Gegen Mittag mache ich mich auf, um einen potentiellen Interviewpartner zu fragen, ob er etwas über sich und die Georg-Schwarz-Straße plaudern will. Viel zu weit bin ich gefahren, fällt mir in der Tram auf. Am Rathaus Leutzsch steige ich aus. Auf der gegenüberliegenden Seite streitet sich ein Pärchen lautstark. Er brüllt sie an, sie setzt ihre Kapuze auf, dreht sich um und geht davon. Es kommt mir vor, als sei die Georg-Schwarz-Straße belebter als sonst. Aber, „Alles ist relativ“. Das steht passenderweise auch auf meinem Regenschirm…

ImageWenig später bin ich an dem allein stehenden Haus mit der Nummer 84 angekommen. Über der Türe hängt ein Schild: „Galerie Studio JMT“. Auf dem Gehweg prangt folgender Spruch: „Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung. E = mc² (AE).“ Ich schaue durch die große Glasfront. Drinnen ist es hell beleuchtet und ich höre laute Musik. Michael, alias „Jason“ steht vor seinem Mischpult. Ich drücke die Klinke herunter – abgeschlossen. Er blickt auf, nimmt die Kopfhörer ab und schließt mir die Türe auf. „Hey“, begrüßt er mich freundlich, „komm rein!“. Gleich überfalle ich ihn mit meinem Anliegen. „Wow, Stopp, setz dich, ich muss erst mal runter kommen. Wenn ich Musik mache, dann bin ich in einer ganz anderen Welt!“ Er lehnt sich auf seinem Sofa zurück, schüttelt kurz den Kopf und fragt dann: „Also, was machst du nochmal?“ Ich erkläre ihm, worum es bei dem Blog geht. Er ist einverstanden und beginnt sofort, von den Menschen und der besonderen Atmosphäre in der Georg-Schwarz-Straße zu schwärmen. Die Leute begegnen ihm mit so viel Freundlichkeit und Neugierde. Und alle haben Geschichten zu erzählen. Und Jason hört ihnen zu. „Manche wohnen hier schon 30, 40 Jahre. Ich kann dir Geschichten von Leuten erzählen… Aber, das machen wir dann beim nächsten Mal!“ Wir verabreden einen fixen Termin für das Interview. „Zum Glück gibt es Terminplaner!“, lacht er. Ich nicke und sage: „Ich wäre sonst völlig aufgeschmissen!“

Jason schließt mir die Tür auf und verabschiedet mich freundlich. Ich muss grinsen. Auch noch in der Tram. Dann fällt mir auf, dass ich mich (trotz Timer!!!) im Datum geirrt habe. Ich schreibe ihm eine SMS: „Lieber Jason, ich lebe wohl auch in meiner eigenen Welt… Diese Woche ist ja schon der 10. Wir sehen uns also übermorgen um 11. Bis dahin.“ Und er antwortet: „Sei froh, dass du deine eigene Welt hast. Bis dahin.“

Ja, manchmal vergesse ich, wieso ich einen Blog über die Georg-Schwarz-Straße schreibe. Aber jetzt weiß ich es wieder…

Freut euch mit mir auf das ausführliche Gespräch mit Michael Thomas, alias „Jason“!

(Foto: Jendrik Kleinert, Text: Helena Mohr)

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5 Gedanken zu „„Sei froh, dass du deine eigene Welt hast“

  1. Ich bin gespannt darauf wie es weiter geht… und ganz begeistert davon wie Du das Sein und Werden auf der GSS beschreibst. Da bekommen die oft im Vorbeifahren entdeckten und mittlerweile viel zitierten neuen Läden eine ganz persönliche Geschichte. Die GSS ist noch lang und die Hoffnung groß, dass es noch lange mit Deinem Blog weiter geht!!!

    • Vielen Dank für deinen netten Kommentar. Auf dass es noch lange weiter geht mit den spannenden Geschichten in der GSS! Und ich freue mich, dass du mich dabei begleitest!

  2. Ich finde deinen Blog zauberhaft und bin immer wieder überrascht, wieviele Geschichten und Geheimnisse sich in einer Straße verstecken können ^^

    Und ich finde es bewundernswert, mit wieviel Leidenschaft und Neugierde du dich dem Thema annimmst. Das man da mal Zweifel oder vielleicht auch mal einfach keine Lust hast zu schreiben ist doch völlig ok.

    Wichtig ist, dass du weißt, dass deine Stimme und deine Arbeit zur Kenntnis genommen wird und es Leute da draußen gibt, die sich wie ein (vegetarisches) Schnitzel über jede noch so kleine neue Geschichte über die Georg-schwarz- Straße freuen 🙂

    und ein Interview mit jemandem Namens ‚Jason‘ kann nur gut werden 😉

    viele liebe Grüße aus dem schönen Würzburg ❤

  3. Ich kenne den Jason ein wenig und ich muss sagen, Du hast ihn vor meinem inneren Auge zum Leben erweckt. Großartiger Typ, großartig gemacht. Ich wünschte, meine Straße hätte einen Blog….

    Bernd

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